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Cake day: February 7th, 2025

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  • Ich will ganz sicher nicht den deutschen Michel, der kiloweise billigstes Neonfleisch auf den Grill schmeißt von seinen problematischen Handlungen freisprechen.

    Von den kulinarischen Verbrechen mal ganz zu schweigen…

    Selbst Bio und regional kaufen (wie ich das tu) macht mich nicht zum Heiligen. Wenigstens zwingt mich “Fleisch ist teuer” zum seltener Fleisch essen, wenn auch meine Willenskraft (noch) nicht reicht, das komplett loszuwerden.

    Aber systemische Probleme auf den Endverbraucher und Individuen abwälzen ist doch klassische Propaganda wie sie die Ölindustrie seit über einem halben Jahrhundert anwendet. Die Verantwortung beginnt eben NICHT an der Supermarktkasse. Das Problem beginnt in den raffgierigen multinationalen Großkonzernen.

    Eben. Wenn es keinen ethischen Konsum im Kapitalismus geben kann, ist “konsumier halt gar nichts” für die meisten keine Option. Wir sind zu großen Teilen abhängig vom System, was keiner von uns einzeln geschaffen hat und wir auch nicht in Einzelarbeit wegbekommen werden.

    Was soll denn passieren wenn tatsächlich die große Mehrheit kein Billigfleisch mehr kauft?

    Je nachdem, wohin sie ausweicht, werden die Konzerne eben nachziehen: Wenn wir alle auf Bio gehen, werden sie einen Weg finden, das auf Masse zu skalieren, die Anforderungen herabzuwässern und die Marge einstreichen. Wenn wir zu veganen Alternativen wechseln (wo sie sich ja eh schon dagegen wehren und Klagen wegen Bezeichnungen für Wurst und Milch vom Zaun brechen), müssen sie halt da eine Möglichkeit finden, dass in Massen billig zu produzieren.

    Durch reinen Glauben an das Gute bzw Magie verbessern sich die Arbeitsbedingungen?

    Durch öffentlichen Druck ließe sich doch sicherlich was erreichen… bis man es schafft, den öffentlichen Druck abzulenken oder zu beschwichtigen. Idealerweise gelingt das, bevor man die vagen Versprechen auch nur dem Schein nach umsetzen muss. Bis die Leute blicken, dass da nie was kommen wird, sind sie hoffentlich schon so zynisch und mit anderen Sorgen beschäftigt, dass es auch egal ist.

    Wir reden hier doch nicht von lokalen Handwerksbetrieben, denen man einen Rest von Anstand zusprechen kann. Aber selbst da trifft es nicht zwingend zu.

    Der Unterschied zwischen Kapitalgesellschaften und kleinen Betrieben ist, dass es bei letzteren nicht zwingend zutrifft; bei ersteren zwingend nicht. Bei den Handwerksbetrieben kann man wenigstens die Chefs verantwortlich machen, aber bei Konzernen ist der Vorstand ja gegenüber den Anteilseignern verpflichtet, Profit über Moral zu setzen, wenn die nicht gerade gegenteiliges beschließen. Wenn sie aber wiederum Kapitalgesellschaften mit Profitverpflichtung sind, sind die eigentlichen Menschen irgendwann so weit von den tatsächlichen Entscheidungen entfernt, dass sie gar nicht direkt daran teilhaben können.

    Was bleibt ist ein intransparentes System aus den obengenannten Konzernen, bei dem kein einzelner effektiv Einfluss darauf nehmen kann, wie gierig sie sind.

    Aber man hat ja von Nichts gewusst! Obwohl man selbst zufällig auch im Vorstand tätig ist.

    Weißt du, wie viele Berichte die am Tag zu überfliegen haben? Wenn es nicht in Zahlen ausgedrückt ist, die man rot oder grün markiert, sehen die das doch nicht…

    (Und wenn doch, dann würfeln sie aus, wer dafür zuständig ist, die roten Zahlen grün zu machen.)



  • Dazu gibt es ein Buch von Robert Pape, einem amerikanischen Politikwissenschaftler, der sich genau der Frage gewidmet hat, ob man nur durch Bombardierungen ein Land zum Kapitulieren bringen kann (seine Antwort: nein). Das Ding ist mittlerweile ein Evergreen und es wird jedes mal wieder neu drauf verwiesen, wenn es doch wieder einer probiert.

    Das Buch speziell hab ich nich gelesen, aber unter anderem einen Post von Militärhistoriker Dr. Bret Deveraux, der das gleiche Thema unter die Lupe nimmt. Unter anderem kommentiert er im Kontext des Blitzes auf London: “being bombed hardened civilian will to resist.” Wenn nach dem ersten Schlag die Iraner noch den Tod von Khamenei gefeiert haben, ist mittlerweile vermutlich jeder gute Wille den Bach aus Blut und Tränen runter.

    Ein Kommentar darunter erwähnt auch einen Beitrag von Pape in Foreign Affairs. Den muss ich auch noch lesen. Das Fazit wird wahrscheinlich in allen Fällen das selbe sein: Lufthoheit kann Bodenoperationen unterstützen, aber nicht ersetzen.

    Trump scheint es auch nicht gelesen zu haben.

    Wenn doch, hätte er wahrscheinlich beschlossen, dass das eh Fake News sei. His feelings don’t care about your facts ;-)

    Aber ich denke, wir sind uns wohl einig, dass realistisch keine dieser Optionen die Auslöschung des iranischen Volkes vorsieht.

    In diesem Konflikt, und insbesondere aus Sicht der USA wahrscheinlich nicht. Bei den Zionisten bin ich skeptisch, ob sie langfristig mit dem Land westlich des Jordans zufrieden wären, selbst wenn Iran sie darin nicht mehr bedrohen würde, aber zumindest rational betrachtet werden die USA das aktuell nicht anstreben.

    Als ich den obigen Post nochmal rausgesucht hab, ist mir unter anderem die Erwähnung der Berliner Blockade von 1948 ins Auge gestochen. Ich frage mich, wie die Welt aussähe, wenn öfter Schoko-Päckchen statt Bomben abgeworfen würden (bzw. allgemein humanitäre Hilfe statt inhumaner Grausamkeit).

    Wird hier vermutlich nicht passieren, das Schiff is abgefahren und kommt so bald nicht wieder. Aber vielleicht hätte das mit dem “Regime stürzen” besser geklappt, wenn sie nachhaltige Unterstützung der Bevölkerung hätten. Das würde vielleicht auch eine Bodenkampagne aussichtsreicher machen.

    Mir ging es dabei nur darum, dass Amerikaner die Iraner nicht als ewige Todfeinde sehen, die man zwingend vom Angesicht der Erde tilgen muss.

    Rational, nein. Wie gesagt, sie sind ein lokales Problem und definitiv eine Bedrohung für ihre Nachbarn, aber für eine imperiale Großmacht eben nur eines von vielen. Wenn sie kein Problem mehr sind (oder sogar Verbündete) wird das zumindest strategisch reichen.

    Irrational wird der Hass auf Muslime, Araber und alles andere, was man sonst so in den Topf wirft (ob es dazugehört oder nicht) leider immer mehr geschürt. Ich war kürzlich schockiert, eben diese Forderung in Person mitzubekommen. Ich hoffe mal, dass solche Haltungen nie die Außenpolitik diktieren.


  • Das einzige Mal, das ich mit der ÖBB gefahren bin war die echt unbequem. Lag zur Hälfte daran, dass die Dose für meinen Arbeitslaptopreisenetzteilstecker echt dumm angebracht war, zur anderen Hälfte an Kindern (denen ich das eigentlich echt nicht verübeln will, ich war bloß schon gereizt und empfindlich, da sind selbst geringfügig aufgeregte Kinder schon ätzend).

    Immernoch besser als so manche DB-Fahrten. Die brauchen keine Kinder um meine Nerven zu sägen, und die Steckdosen rettens auch nicht…

    (Nicht immer Schuld der Bahn, wenn z.B. irgendein Arsch Bäume auf die ICE-Strecke fällt oder Kinder an den Gleisen gesichtet werden und sie natürlich dreimal sichergehen, dass die Strecke frei ist, bevor sie den Verkehr langsam wieder aufnehmen und den Rückstau auflösen.)




  • Wenn er stattdessen ein anderes Regime haben kann

    Das war der (naive) Versuch des Erstschlages: Die Regierung enthaupten damit hoffentlich das Regime kollabiert. Hat halt nicht geklappt, weil das Regime nicht nur aus einem Anführer besteht sondern aus mehreren Institutionen mit verschiedenen Rückfall-Mechanismen um Einzelpersonen zu ersetzen oder zumindest die Aufgaben zeitweise zu übertragen, aber ich glaube nicht, dass Trump die Komplexität von Regierungsformen versteht oder auch nur kennt.

    Jetzt stellt sich halt raus, dass es nicht geklappt hat, aber der Krieg ist im Gange und nicht so leicht zu beenden.

    denn es ist nur ein paar Dekaden her, da war der Iran/Persien noch ein enger Verbündeter der Amerikaner und hatte als einer der ersten Staaten das Existenzrecht Israels anerkannt.

    Und dann kamen die Islamisten…

    Aber bei denen gilt, ebenso wie bei den anderen fundamentalistischen und nationalistischen Fanatikern in dieser Gleichung wie Trump und Netanyahu: je schneller die weg sind, desto besser für den Rest, der einfach nur in Frieden leben will.

    Das unterschreib ich ohne Einwände.


  • deren zuerst aus der Luft gegriffenen Behauptungen plötzlich nämlich zutreffen

    Ganz plötzlich war das nicht: Ein Jahr nachdem die USA sich zurückgezogen hat, hat es angefangen anzureichern, Schritt für Schritt eskalierend. Mit Hochdruck, weil du völlig Recht hast, dass der Rest ihnen das nicht einfach so durchgehen lassen will, und Zeit kostbar wird, wenn Sanktionen schon in Kraft sind.

    Allerdings hast du auch Recht, dass Nationalismus / Fanatizismus eine Rolle gespielt haben werden. Da könnten wir jetzt spekulieren, welche innenpolitische Rolle das gespielt haben wird, Stärke gegen Israel und die USA zeigen zu wollen. Dumm ist es so oder so, da sind wir uns eh einig.

    Ein Land, dessen oberste Führer seit Ewigkeiten direkt und indirekt die Auslöschung eines anderen Staates als Staatsziel formuliert haben, darf und wird so eine Waffe nicht besitzen.

    Das wirft die Frage auf, wie dieses Land sich gegen andere Länder verteidigen soll, die umgekehrt genauso seine Auslöschung im Sinn haben. Ohne die Historie bewerten zu wollen (da sind wir vermutlich eh ähnlicher Ansicht) befinden Iran und Israel sich hier jetzt in der gleichen Patsche: Ein lokaler Rivale will sie vernichten. Israel hat eine Atommacht als Verbündeten. Auf wen kann Iran zählen, sich Israel und damit den USA entgegenzustellen? Und welche Alternative haben sie sonst?


  • Darum haben sich 2016 auch nicht nur die Amis, sondern auch UK, FR und DE darüber bei der UN beschwert, weil die Raketentests nach Abschluss des Deals für sie gegen diese Bestimmungen verstoßen haben.

    Trotzdem haben sie die Sanktionen, die die USA 2018 (wieder) verhängt haben, nicht mitmachen wollen. Aber gut, da haben die Parteien wohl einen Punkt unterschiedlich eingeschätzt.

    Dass auf zumindest einer dieser Raketen groß auf hebräisch “Israel muss vom Angesicht der Erde getilgt werden” geschrieben stand, hat auch nicht unbedingt geholfen…

    Nein, bestimmt nicht. Israel sitzt da im Glashaus, aber das rechtfertigt den gegenseitigen Hass nicht wirklich, und Zivilisten ins Ziel zu nehmen schon dreimal nicht.

    Warum sollte man das tun? “Ihr unterstellt uns zu unrecht Sachen und zur Strafe machen wir jetzt das, was ihr uns unterstellt!”??

    Die Sanktionen sind die Strafe. Das Atomprogramm ist der Verstoß, der dadurch bestraft werden sollte. Es ging ja nicht nur um Unterstellung, sondern um Bestrafung aufgrund dieser Unterstellung.

    In Spieltheorie-Begriffen: Es gab ein Äquilbrium, die USA haben es zerstört weil es Netanyahu nicht gut genug war.

    Das Spiel besteht aus den Entscheidungen “Atomwaffen?” für Iran und “Sanktionen?” für die UN (bzw. hier hauptsächlich USA). Das positive Äquilbrium wäre “Nein/Nein” (Kooperation), was auch das Ziel der Resolution war.

    Wenn die USA sich aber entscheiden, die Kooperation zu beenden, hat der Iran nichts mehr davon, seinen Teil des Plans weiter durchzuziehen und nachher Arm und unbewaffnet dazustehen. Das Programm wieder aufzunehmen was also ein Versuch, den Gegendruck aufzubauen, damit erneute Verhandlungen nötig sind.

    Genau wie die Gegenblockade mag das als strategischer Zug Sinn machen, aber beschissen ist es natürlich trotzdem.

    dem Iran wurde durch die Weltgemeinschaft im Rahmen der UN diese Bewaffnung verboten. Tut er es trotzdem, und danach sieht es aus, ist er nicht das Opfer, dessen Hand irgendwie geführt wurde, sondern trägt die Verantwortung für seine Taten.

    Klar, die Mächtigen wollen nicht teilen. Haben ja auch Ukraine dazu bekommen, ihre abzugeben. Ich kann dem Iran nicht verdenken, dass er den Fehler nicht auch machen will. In unserer Welt heute sind halt Atomwaffen leider die effektivste Abschreckung, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.

    Mein Punkt ist nicht, dass er nicht verantwortlich für seine Taten wäre. Die Sanktionen hatten aber, soweit die Experten das beurteilen, ihren Hauptzweck (Atomwaffen verhindern) erzielt und Iran gezwungen, einzulenken. Die Lösung war nicht optimal, aber die sprichwörtliche Bombe war zumindest entschärft. Wofür ich die USA verantwortlich mache ist, dass sie wieder tickt.

    Wie gesagt: die Raketensache ist zumindest umstritten.

    Die Raketensache, ja, war aber nicht der Vorwand, die Sanktionen wieder einzusetzen.

    Die Behauptung Netanyahus, auf die hin Trump die Sanktionen hat wieder einsetzen lassen, war, dass Iran eine “geheimes” Atomprogramms vor der IAEA versteckt hätte, wobei die vorgebrachten “Beweise” nur etwas beschrieben, was die IAEA schon kannte.

    Die Medien haben das oft brav nachgeplappert. Bei dir hats ja auch funktioniert: Du hattest den Eindruck, dass Iran sich suspekt oder intransparent verhalten hätte, obwohl sie seit mehr als zehn Jahren das Musterbild an Transparenz sind. Mittlerweile halt transparent beschissen.




  • Bruh, I’m not even the other guy you responded to, so maybe cool your jets a bit. I’m also not a Democrat. I’m not even US. I was poking fun at “We won’t let Democrats hold office until they apologise for genocide” by wondering whether you’d let Republicans hold office then, or whether they’d need to apologise too.

    But that doesn’t sound like groveling to me. So I guess you do want republicans to win.

    Me not begging you for forgiveness for a party’s policies means I want the other party to win? That’s one hell of a false equivalence.

    It also implies that you’d rather let Republicans win if the Democrats don’t come crawling, in which case I don’t see the meaningful difference between actively or passively supporting the Republicans.