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Cake day: June 29th, 2023

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  • Habe schon länger nicht mehr geschrieben, hier was ich seit meinem letzten Kommentar gelesen habe:

    Im Westen nichts Neues / Remarque

    Remarque erzählt meisterhaft die tragische Geschichte einer Generation, die in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs vernichtet wurde. Hier gibt es viele Parallelen zu Borcherts Werk über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. Während Borchert meisterhaft expressiv das Unsagbare ausdrückt, hat Remarque eher einen dokumentarischen Stil. Das ist nicht unbedingt schlechter, sondern einfach anders. Besonders die Szenen, in denen Paul zu Hause ist, haben etwas Erschreckendes. Man könnte meinen, dass der Horror an der Front am schlimmsten ist, doch irgendwie fühlt sich die Tragik und Entfremdung fast schlimmer an, wenn sie mit der Normalität zu Hause konfrontiert wird.

    The Great Gatsby / Fitzgerald

    Fitzgerald hat eine wunderschöne Art, Dinge zu beschreiben, und er findet immer den richtigen Ton für die jeweilige Kulisse. Seine Themenwahl – der amerikanische Traum und das, was Menschen aus Liebe tun (oder ist es Besessenheit?) – ist interessant. Ich liebe Geschichten, die von einem unzuverlässigen Erzähler erzählt werden, und es macht mir Spaß, zu entschlüsseln, was dieser offenbart oder verheimlicht. Allerdings bin ich von der Geschichte selbst nicht so begeistert. Eine Gruppe unsympathischer reicher Leute (egal, ob sie altes oder neues Geld haben, sie sind größtenteils unangenehm), die romantische Probleme haben, die in einer Tragödie enden, finde ich nicht wirklich fesselnd, daher fällt es mir schwer, mich darauf einzulassen. Das Ende hat mir gefallen, besonders die Stelle, an der der Erzähler seine Freunde aus altem Geld als „unernst“ und „gleichgültig“ bezeichnet; das erinnerte mich ein wenig an den Film „Anora“. Insgesamt hätte die systemische Kritik jedoch etwas schärfer ausfallen können. Das mag daran liegen, dass der Erzähler selbst nicht gerade der Hellste ist, aber es ist dennoch Fitzgeralds Entscheidung, es so zu gestalten. Ich finde es ironisch, dass die Leute heute eine Gatsby-Mottoparty für glamourös halten, während die Leute aus alten Geldadelsfamilien das damals als geschmacklos und protzig empfanden und Gatsbys rosa Anzug so betrachteten, wie wir Trumps goldene Toilette betrachten. Außerdem hat der jüdische Kriminelle eine unangenehme antisemitische Konnotation.

    Der Tod des Iwan Iljitsch / Tolstoi

    Der Richter Iwan Iljitsch kämpft mit dem Tod und reflektiert über sein Leben. Er kommt zu dem Urteil, dass er falsch gelebt hat, da er statt seinem Herzen und seinen eigenen Wünschen den Erwartungen der Gesellschaft gefolgt ist. Nur sein Sohn und sein Knecht haben Mitleid und sagen ihm die bittere Wahrheit, dass er sterben wird. Am Ende sind seine Frau, seine Freunde und Kollegen, die Institutionen, denen er treu gedient hat, die Kirche, die Medizin und sein Geld gleichgültig. Als er stirbt, ist alles egal. Was bleibt, ist die Wahrheit und die Liebe. Psychologisch scharf beobachtet werden Iwans Todeskampf, seine Selbstzweifel und seine Lügen gegenüber sich selbst beschrieben. Tolstoi schreibt sehr sachlich, was zwar zu seiner Hauptfigur als Richter passt, aber ich hätte mir hier einen Autor gewünscht, der die Sprache etwas ausdrucksstärker einsetzt.

    Die Kreutzersonate / Tolstoi

    Dies ist das mit Abstand toxischste und ideologisch verwerflichste Buch, das ich bisher gelesen habe. Tolstoi ist hier unter anderem misogyn, misanthropisch, antisemitisch und ableistisch. Die von ihm unterbreitete Ideologie ist durch und durch von einem widerlichen, toxischen religiösen Fundamentalismus durchzogen, wie man ihn heute vielleicht höchstens noch bei den Taliban finden würde. Wenn man etwas an dem Werk finden möchte, das nicht komplett unbrauchbar ist, dann ist es, dass sich Tolstois fundamentalistische Ideologie immer wieder in Widersprüche verstrickt und ab und an fast aus Versehen echte Probleme des Patriarchats aufzeigt.

    Die verlorene Ehre der Katharina Blum / Heinrich Böll

    Bölls bekannte Anklage gegen die Bild-Zeitung ist ein rachsüchtiges Pamphlet, das nicht nur Axel Springer und seine Schundblätter, sondern auch die Gesellschaft, die diese mit Quellen versorgt, deckt und liest, aufs Schärfste anklagt – und das zu Recht. Böll seziert gekonnt die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten: Industrielle, Politiker, Medienmacher und Exekutive stecken alle miteinander unter einer Decke und profitieren von dem Spektakel, durch das mehrere Leben zerstört werden. Aufgrund der Struktur des Textes kommt die titelgebende Hauptperson dabei leider manchmal etwas kurz, aber das ist auch der einzige kleine Kritikpunkt, den ich finden konnte.​​​​​​​​​​​​​​​​




  • The result is similar, but a casino will definitely care if you keep winning, because then their profit margins go down. If you keep winning at Roulette or always bet on the right horse the house will cut you off. Prediction markets don’t care. They make the same money wether you lose or win all of your bets, cause your winnings don’t come out of the pot that the house manages, they come directly out of the pocket of the people who took you up on your bet. At least that’s what they say…

    There are rumors that polymarket etc also act like the house sometimes and take bets that no one wants to take. But atm I think those are not confirmed.





  • I get where you’re coming from, but the only ones that lose here are the suckers that think this is a fair game.

    Predictionmarkets don’t work like a casino or sports betting. They are not the classic „house“ that you bet against in a casino, it’s more like a broker selling you futures on commodities. They earn their money via transaction fees for facilitating bets between people. So they win, no matter if the wager is rigged or not. This means that they probably don’t really care about it, or any other rigged bets at all. I would guess they might even like it, because every time there is a big article about some rigged bet like this, they get free press exposure.

    Edited for clarity


  • Diese Woche hab ich zwei deprimierende aber sehr gute Bücher für euch.

    Zum ersten Wolfgang Borcherts Kurzgeschichten mit dem Titel „An diesem Dienstag: 19 Erzählungen“. Borchert ist für mich ein absolutes Genie. Niemand schreit seinen Schmerz an der Welt, die Generationen junger Menschen in einem Krieg zermalmt und weggeworfen hat so eindrucksvoll und herzzerreißend heraus wie er. Irgendwie schafft er es das unsagbare zu beschreiben und jemandem näher zu bringen der glücklicherweise nie etwas so schreckliches erleben musste und hoffentlich auch nie erleben wird. Ich kannte von ihm schon Draußen vor der Tür und Die Hundeblume welche ich beide unfassbar gut und sehr deprimierend fand. Diese Kurzgeschichtensammlung macht da keine Ausnahme.

    Dann habe ich noch Requiem for a Dream von Hubert Selby Jr. gelesen. Vor Jahren hatte ich mal den davon Inspirierten Film von Darren Aronofsky gesehen und fand ihn sehr gut und sehr traurig. Das Buch fand ich nun in Teilen vielleicht sogar noch ein Stückchen besser, da man hier natürlich mehr direkte Einblicke in die Gedanken der Figuren bekommt und so deren Hoffnungen und Ängste noch ein wenig besser nachvollziehen kann. Mittlerweile habe ich auch ein wenig mehr Erfahrungen mit Drogen (keine Opiate wie Harry) und Sucht (v.A. Nikotin und Alkohol) gesammelt, was dem Ganzen auch nochmal einen zusätzlichen Beigeschmack verleiht. Man merkt an den Beschreibungen sofort, dass Selby Jr. ähnliches erlebt hat, wie das was seine Charaktere durchmachen müssen.

    Interessant war, dass Borchert und Selby Jr. beide Satzzeichen und besonders Anführungszeichen zu verachten scheinen. Bei beiden wechseln die Sätze ohne sichtbare Zeichen von Beschreibungen in direkte Rede über. Daran muss man sich beim Lesen erstmal gewöhnen, aber diese Verstümmelung und bei Borchert immer wieder komplette Auflösung der Sprache macht etwas mit dem Text, das sehr eindrucksvoll das Trauma zeigt, welches beide beschreiben. Zusätzlich schreibt Selby Jr. für alle seine Figuren im Dialekt der zu ihnen passt, nicht nur deren Rede sondern den ganzen Absatz. Wer Spaß an kreativer Verwendung von Sprache hat, kommt bei beiden Autoren definitiv auf seine Kosten.





  • Ich habe von Brecht bisher nur Mutter Courage gelesen, aber das hat mich tatsächlich stark daran erinnert. Natürlich ist bei Brecht die Sprache etwas moderner, und der Fokus liegt bei Schiller deutlich mehr auf den Generälen als auf den einfachen Leuten. Aber die Art und Weise, wie der Krieg als fast unaufhaltsame Kraft dargestellt wird, die vom Opportunismus der Individuen befeuert wird, ähnelt sich sehr. In Wallensteins Lager gibt es sogar eine Marketenderin, die alleine einen Sohn großzieht und von der ich mir gut vorstellen könnte, dass die Courage durch sie inspiriert wurde.


  • Habe diese Woche Friedrich Schillers Wallenstein Reihe gelesen. Historisch fand ich es sehr cool, mich mal wieder mit dem 30 jährigen Krieg zu beschäftigen. Das haben wir in der Schule in zwei drei Stunden locker abgefrühstückt, was ich im Nachhinein schade finde.

    Bisher hatte ich von Schiller Die Räuber und Wilhelm Tell gelesen. Während Karl Moor und seine Räuber im rechtschaffenden revolutionären Eifer im Zeichen der Aufklärung Gräueltaten begehen, war Tell eine Mary Sue, deren Revolution in Blut und Boden begründet ist. Wallenstein liegt nun irgendwo dazwischen. Er ist ein von den Sternen getriebener Mensch, doch gleichzeitig ein Meister der Politik und Manipulation. Vom Krieg profitiert er wie kein zweiter, doch auch er wird von ihm schließlich zur Kasse gebeten. Der Krieg selbst ist hier, wie der Kapitalismus und die Miene in Zolas Germinal wie ein Tier. Er ist ein selbsterhaltendes System. Ganz nach dem Kredo „Der Krieg ernährt den Krieg“ muss er immer weiter gehen und alle haben ein Interesse daran, dass er nie endet.

    Spannend ist hier auch die Form. Schiller hat das Stück in drei Teilen geschrieben, die an drei Abenden aufgeführt werden konnten. Der erste Teil, Wallensteins Lager ist im Knittelvers geschrieben und soetwas wie ein atmosphärischer Proolog. Keine der wichtige Figuren des eigentlichen Stücks existieren hier, stattdessen sehen wir die Stimmung bei den Somdaten und den einfachen Leute und können erahnen, wie die Zivilisten unter dem Krieg leiden. Das muss damals ein gewagter Scjritt gewesen sein, und ich frage mich, wie viele Leute sich nach diesem ersten Abend heute noch den zweiten angesehen hätten. Für Teil 2 und 3 wechselt Schiller dann in Blankvers, um die eigentliche Geschichte, die sich in der Politischen Oberschicht abspielt zu erzählen.


  • Ich habe Homo Faber von Max Frisch gelesen. Insgesamt hat es mir gut gefallen. Frisch versteht es, unterhaltsam zu schreiben. Sein Protagonist und Ich-Erzähler Walter Faber ist die Personifizierung des toxischen modernen Produktivitätsmenschen; er hat keine Zeit für Emotionen, Gedanken über Gesundheit, ehrliche Selbstreflexion, Liebe, Freizeit oder Kunst. Stattdessen denkt er lieber an Arbeit und vor allem Technik (Turbinen und Flugzeuge, Symbole des Fortschritts im 20. Jh., haben es ihm besonders angetan). Permanent belügt er sich selbst (und den Leser), ist ungeduldig, genervt, zynisch, rationalisiert sein Verhalten, ist frauenfeindlich und generell misanthropisch. Dass das auf Dauer nicht gut geht, ist keine Überraschung.

    Ich bin mir nicht sicher, was ich vom Ende halten soll, welches ich hier nicht verraten will. Ob Walter am Ende dazulernt, oder nicht, war mir nicht ganz klar, weshalb ich es nicht so richtig einordnen kann… aber verkehrt fand ich auch das nicht.


  • Diese Woche stand bei mir ganz im Zeichen Thomas Manns.

    Anfang der Woche habe ich Tod in Venedig gelesen. Das fand ich nicht wirklich unterhaltsam. Auch wenn hier sehr offensichtlich ein Autor schreibt, der sein Werk versteht und hoch gebildet ist, hat mich die Handlung nicht wirklich abgeholt. Manns opulenter Schreibstil mit langen Sätzen, zusammengeschachtelt aus zig Nebensätzen und anderen Konstruktionen liest sich für mich extrem zäh. Auch seine Tendenz hier permanent Referenzen zum alten Griechenland einzubauen machte das ganze zwar eindrucksvoll und gibt dem dazu gebildeten Leser sicher einiges an Tiefe, für mich war es aber dadurch ziemlich anstrengend ihm auf seinen Gedankengängen zu folgen.

    Irgendwas muss mir aber doch gefallen haben an Mann, denn ich wollte es nicht bei diesem ersten, eher unglücklichen Eindruck belassen. Deswegen habe ich danach Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull gelesen. Das hat mich deutlich besser unterhalten und war auch um einiges leichter zu lesen, weil Krull augenscheinlich die Bildung fehlt um ständig die alten Griechen heraufzubeschwören. Er ist zwar in Teilen extrem ausschweifig und verbos, auch hier finden sich Manns ausladende Satzkonstrukte, aber insgesamt sieht man hier, dass der Protagonist zwar versucht eine Aura von Klasse und Bildung zu projizieren, sie aber nicht hat. Das macht den Text menschlicher als bei dem alten Künstler in TiV. Auch merkt man hier mehr von einer Art Klassenbewusstsein, das Felix zwar als positiv empfindet, er stellt sich gerne als „aus feinerem Holz geschnitzt“ dar, aber der Text kritisiert es unterschwellig trotzdem. Leider hat Mann diesen Roman nicht fertig gestellt. Gegen Ende zieht es sich zwar etwas, aber der Handlung hätten 2/3 mehr Teile zu den 3 existierenden sicher gut getan.


  • I think you’re onto something here, and I think it’s a feature, not a bug. The US have been at war the entire time since WW2, but they usually don’t have a draft. So they need to rely on different methods to motivate young men into becoming soldiers. An integral part of being a soldier is the use of violence to solve problems, usually to the point where you might be expected to kill. If your society sees violence and killing unacceptable you’re gonna have a hard time finding people who wanna sign up to do the killing for you. So you honor your veterans more than any other part of your population, you make movies and games about valiant soldiers fighting for the good cause and step by step you slowly manufacture a cultural climate that says killing and violence are legit means of achieving a goal, sometimes even necessary.


  • It‘s not one singular factor, like education or better mental health care or the group of people who own them. Sure, those are all important, but they only in part tackle the main underlying issue why people do these things. Young men (and nearly all mass shooters are young men) in american society are told that they are supposed to be achievers, they are supposed to get rich, be cool, have many friends, get a girl, get a house, get a fancy car and all the other status symbols. But most of them don’t see a way of achieving this, since it’s pretty unrealistic with how things are in capitalism. This tension between the life they want and some think deserve, and the life they actually lead is pretty tough to handle.

    Most adjust their goals, or get into political activism, or hustle culture, or drugs or do whatever else to get over this perception of a stolen future. But a tiny group can’t get over it and they are angry at society for taking what they think is their rightful life from them. They usually find other people with similar resentments online, radicalise further, and at the end you have a tragedy. Guns aren’t even necessary, they just make it easier to hurt a lot of people in a short time span.

    Now Switzerland isn’t socialist heaven, but there is in general a higher standard of living, better education, better mental health care and less demands for young men to become as rich as possible. There are also more strict checks when issuing guns than there are in some us states and strict rules about storage. So a 17 years old will be less likely to develop the toxic ideology needed to want to do something like a mass shooting, have a better safety net to deradicalise him and have a harder time getting the needed equipment.

    This is obviously generalising a lot, so don’t take it as a universal answer, because there isn’t.


  • Diese Woche gab’s mal wieder einen sehr guten Film bei mir. Anora von Sean Baker ist eine Geschichte über die junge Stripperin Anora, die den Oligarchensohn Vanya trifft. Er fragt sie, ob sie für eine Weile seine Freundin werden möchte und später auch, ob sie ihn Heiraten will. Wer hier eine Aschenputtel-RomCom erwartet liegt weit daneben. Anora ist eine Tragikomödie über die Macht des Kapitals. Vanya muss keine überlegten Entscheidungen treffen oder schlau sein, er kann tun was er will und verändert damit das Schicksal aller ärmeren Menschen um ihn herum. Anora, deren einziges Kapital ihr Körper ist, muss versuchen ihr Kapital geschickt zu ihrem Vorteil einzusetzen, hat aber eigentlich keine Chance. In Teilen witzig, rasant, tragisch und auf jeden Fall empfehlenswert.

    Dann habe ich noch The Nickel Boys von Colson Whitehead gelesen. Ein erschreckendes Buch über eine Umerziehungsschule für problematische Jungs in den 1960gern in Florida, inspiriert von einer echten Schule. Whitehead stellt in diesem Buch die Frage, wie man mit Rassismus und dem damit verbundenen Trauma umgehen sollte. Lieber kompletter Zynismus? Oder unkompromittierter Idealismus? Das ganze wird anhand des Schicksals zweier Insassen der Schule untersucht. Das Buch ist definitiv keine leichte Lektüre, was man den Kindern hier antut ist schrecklich und wirklich tragisch zu lesen. Was in der echten Schule passiert ist, muss angeblich noch schlimmer gewesen sein. Whitehead hat dafür seinen zweiten Pulitzer gewonnen. Meiner Meinung nach verdient.


  • Ich glaube du wirst downgevoted weil es hier nicht um Vernunft oder Verständnis geht, sondern Opferschutz.

    In ein paar Punkten stimme ich dir zu, aber ich finde deine Philosophie ist extrem großzügig gegenüber Tätern, zulasten der Opfer. Nehmen wir mal dein bsp von den Rassisten. Konkret Pegida. Da waren viele „normale“ Menschen dabei, die einfach nur Abstiegsängste hatten und nen Sündenbock gesucht haben, und ein paar „echte“ Rassisten, die die Bewegung benutzt haben um ihre fremdenfeindliche Ideologie salonfähig zu machen. Wenn ich deine Logik richtig interpretiere war es falsch, die alle als Rassisten abzustempeln und man hätte erstmal versuchen sollen mit ihnen zu reden (was ja auch z.T. getan wurde). Aber hast du dir mal überlegt wie es den Migranten in Deutschland ging, wenn sie in ihrer Stadt, in der sie vielleicht schon viele Jahre leben, Demonstrationen sehen, wo Seite an Seite mit rechtsradikalen marschiert wird und ihre Abschiebung gefordert wird? Ganz zu schweigen von den anderen Auswirkungen, die die Solidarisierung mit Pegida noch immer in Deutschland hat (für mich lässt sich da ne grade Linie zur AfD ziehen).

    Ich hör mir immer gerne an, warum Menschen auf ihre komischen Ideen kommen und habe auch durchaus Verständnis wenn mal was schräges dabei ist (werden andere bei mir sicher auch finden). Aber ich glaube auch an das Toleranzparadox. Von daher gilt für mich „Keine Toleranz der Intoleranz“. Da magst du noch so vernünftige Begründungen haben, warum du nicht tolerant bist, Toleranz ist ein unausgesprochener gesellschaftlicher Vertrag. Wenn du ihn brichst, profitierst du nicht mehr von seinem Schutz.