

I recently read „The death of Ivan Iljych“ by Tolstoy. He asks the same questions about life that you do. Doesn’t really pose any concrete answer of course, I’d be shocked if there was an universal one, but maybe you can find something that helps you find your own in there.






Habe schon länger nicht mehr geschrieben, hier was ich seit meinem letzten Kommentar gelesen habe:
Im Westen nichts Neues / Remarque
Remarque erzählt meisterhaft die tragische Geschichte einer Generation, die in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs vernichtet wurde. Hier gibt es viele Parallelen zu Borcherts Werk über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. Während Borchert meisterhaft expressiv das Unsagbare ausdrückt, hat Remarque eher einen dokumentarischen Stil. Das ist nicht unbedingt schlechter, sondern einfach anders. Besonders die Szenen, in denen Paul zu Hause ist, haben etwas Erschreckendes. Man könnte meinen, dass der Horror an der Front am schlimmsten ist, doch irgendwie fühlt sich die Tragik und Entfremdung fast schlimmer an, wenn sie mit der Normalität zu Hause konfrontiert wird.
The Great Gatsby / Fitzgerald
Fitzgerald hat eine wunderschöne Art, Dinge zu beschreiben, und er findet immer den richtigen Ton für die jeweilige Kulisse. Seine Themenwahl – der amerikanische Traum und das, was Menschen aus Liebe tun (oder ist es Besessenheit?) – ist interessant. Ich liebe Geschichten, die von einem unzuverlässigen Erzähler erzählt werden, und es macht mir Spaß, zu entschlüsseln, was dieser offenbart oder verheimlicht. Allerdings bin ich von der Geschichte selbst nicht so begeistert. Eine Gruppe unsympathischer reicher Leute (egal, ob sie altes oder neues Geld haben, sie sind größtenteils unangenehm), die romantische Probleme haben, die in einer Tragödie enden, finde ich nicht wirklich fesselnd, daher fällt es mir schwer, mich darauf einzulassen. Das Ende hat mir gefallen, besonders die Stelle, an der der Erzähler seine Freunde aus altem Geld als „unernst“ und „gleichgültig“ bezeichnet; das erinnerte mich ein wenig an den Film „Anora“. Insgesamt hätte die systemische Kritik jedoch etwas schärfer ausfallen können. Das mag daran liegen, dass der Erzähler selbst nicht gerade der Hellste ist, aber es ist dennoch Fitzgeralds Entscheidung, es so zu gestalten. Ich finde es ironisch, dass die Leute heute eine Gatsby-Mottoparty für glamourös halten, während die Leute aus alten Geldadelsfamilien das damals als geschmacklos und protzig empfanden und Gatsbys rosa Anzug so betrachteten, wie wir Trumps goldene Toilette betrachten. Außerdem hat der jüdische Kriminelle eine unangenehme antisemitische Konnotation.
Der Tod des Iwan Iljitsch / Tolstoi
Der Richter Iwan Iljitsch kämpft mit dem Tod und reflektiert über sein Leben. Er kommt zu dem Urteil, dass er falsch gelebt hat, da er statt seinem Herzen und seinen eigenen Wünschen den Erwartungen der Gesellschaft gefolgt ist. Nur sein Sohn und sein Knecht haben Mitleid und sagen ihm die bittere Wahrheit, dass er sterben wird. Am Ende sind seine Frau, seine Freunde und Kollegen, die Institutionen, denen er treu gedient hat, die Kirche, die Medizin und sein Geld gleichgültig. Als er stirbt, ist alles egal. Was bleibt, ist die Wahrheit und die Liebe. Psychologisch scharf beobachtet werden Iwans Todeskampf, seine Selbstzweifel und seine Lügen gegenüber sich selbst beschrieben. Tolstoi schreibt sehr sachlich, was zwar zu seiner Hauptfigur als Richter passt, aber ich hätte mir hier einen Autor gewünscht, der die Sprache etwas ausdrucksstärker einsetzt.
Die Kreutzersonate / Tolstoi
Dies ist das mit Abstand toxischste und ideologisch verwerflichste Buch, das ich bisher gelesen habe. Tolstoi ist hier unter anderem misogyn, misanthropisch, antisemitisch und ableistisch. Die von ihm unterbreitete Ideologie ist durch und durch von einem widerlichen, toxischen religiösen Fundamentalismus durchzogen, wie man ihn heute vielleicht höchstens noch bei den Taliban finden würde. Wenn man etwas an dem Werk finden möchte, das nicht komplett unbrauchbar ist, dann ist es, dass sich Tolstois fundamentalistische Ideologie immer wieder in Widersprüche verstrickt und ab und an fast aus Versehen echte Probleme des Patriarchats aufzeigt.
Die verlorene Ehre der Katharina Blum / Heinrich Böll
Bölls bekannte Anklage gegen die Bild-Zeitung ist ein rachsüchtiges Pamphlet, das nicht nur Axel Springer und seine Schundblätter, sondern auch die Gesellschaft, die diese mit Quellen versorgt, deckt und liest, aufs Schärfste anklagt – und das zu Recht. Böll seziert gekonnt die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten: Industrielle, Politiker, Medienmacher und Exekutive stecken alle miteinander unter einer Decke und profitieren von dem Spektakel, durch das mehrere Leben zerstört werden. Aufgrund der Struktur des Textes kommt die titelgebende Hauptperson dabei leider manchmal etwas kurz, aber das ist auch der einzige kleine Kritikpunkt, den ich finden konnte.